Jule Harder

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Was sich hinter den Gesichtern der Mitmenschen verbirgt
Hamburger Abendblatt, 1981

Die Großmutter am Flügel, der in einer weiten Landschaft steht, wo man schon das Meer ahnen kann. Ein Mann auf einem Stuhl, breitbeinig, mit Hosenträgern über dem offenen Hemd, abfallenden Schultern und einem runden Gesicht mit Nickelbrille. Zufrieden behauptet dieser Mann seinen Platz.

Diese beiden Bilder in einer interessanten Ausstellung der Nienstedtener Malerin und Bildhauerin Anna Sabine Harder-Schroeder in der Blankeneser Eduard-Hallier-Bücherhalle (erster Stock) am Mühlenberger Weg machen auf die Gestaltungsfreude und auf gemalte unfreiwillige Komik der Menschen aufmerksam.

Großflächig und großzügig malt die 32jährige Frau Personen, denen sie begegnete. Beispielsweise einem 13jährigen Jungen, der, typisch für dieses Alter, mit langen Armen und überlang gemalten Händen dasteht. An den gut ausgeleuchteten Wänden Frauen- und Männergestalten auf großen, grau oder dunkel gehaltenen Flächen.

Eine Künstlerin auf der Reise durchs allzu Menschliche stellt sich vor. Kontrapunkt der Ausstellung sind Bilder der norddeutschen Landschaften. Priele vor Sylt im Wattenmeer, Häuser, die im grauen Dunst verschwinden, ein Leuchtturin. Sparsame Linien grenzen das Motiv ein, heben es hervor, lassen Einsamkeit spürbar werden, in der jeder Wasserlauf, jeder Pfahl, jedes Haus seine eigene Bedeutung hat. Die Ton-in-Ton-Malerei verstärkt noch diese Aussage.

Anna Sabine Harder-Schroeder ist noch vielseitiger, als es Besucher dieser Ausstellung ahnen. 1977 veröffentlichte sie im Nord-Süd-Verlag ein von ihr geschriebenes und mit Bildern versehenes märchenhaftes Buch für Kinder und Erwachsene: "Der goldene Apfelbaum".

Wer es liest - und Phantasie hat-, wird in ein Land geführt, das hinter Mond und Sternen liegt. Eines der Leitmotive wird sichtbar im Schaffen der Nienstedtener Künstlerin: hinter die Dinge des Lebens zu schauen.

Hier eine Passage aus dem Buch: Tina und Lina saßen in ihrem Bett und flüsterten zusammen. Glaubst du, daß es hinter dem Mond und den Sternen noch etwas gibt? Bevor Tina antworten konnte, erhob sich das Bett und flog mit ihnen hinaus, immer höher.

Nach ihrer abenteuerlichen Entdeckungsreise kehren sie zur Erde zurück und haben Mut, einen Apfelbaum zu pflanzen. Zuvor hatte es ja eine große Sturmflut gegeben. Der Apfelbaum trägt natürlich Früchte. Das Leben hat wieder gesiegt. Ungewisses wird zur Gewißheit.

Ähnliche Bild-"Geschichten" malt die Nienstedterin noch heute. Und sie kommt auch ohne Text dabei aus. Ihr Motiv, auf den Lebensgrund zu steigen, um auch künstlerisch weiter leben zu können, wird immer wieder spürbar.

gp